3. Comicgarten Leipzig

3. Comicgarten Leipzig
Leipzig 8.9.2012

Montag, 5. Dezember 2011

GOLDENER COMICGARTENZWERG 2012, Nominierung November 2011


Asja Wiegand: "Gestern noch"

Tagebücher erklären nichts. Sie sind ausschließlich für den Tagebuchschreiber gedacht, und der weiß schließlich, was er meint. Das unterscheidet Tagebücher von handelsüblicher Belletristik, die auf den (fremden) Leser hin geschrieben wird.

Insofern sind viele der derzeit vor allem online erscheinenden Comic-Tagebücher unehrlich. Weil sie eben doch Dinge erklären, weil sie (ganz oder zum Teil) für den Leser entstehen.

Asja Wiegands Comictagebuch Gestern noch ist eine erfrischende Ausnahme, weil sie gar nicht erst versucht, eine Narration aufzubauen. Ihre Comics erklären nichts, jedenfalls nicht dem zufälligen Leser. Da ist ihr Freund, ihr Studium, die Wohnung, die Eltern – Momentaufnahmen aus dem Leben, dem Muster nach vertraut, dem Inhalt nach dennoch fremd.

Inhalte und Folgerungen ergeben sich erst aus dem kontinuierlichen Verfolgen dieses Life-in-progress, und oft nicht einmal dann. Immer wieder streut sie bizarre Einzelseiten ein, seltsam ratlos machend und doch von überzeugender emotionaler Ausdruckskraft.

Ungehindert von den Zwängen konventioneller Narration entwickelt Asja Wiegand hier in der Tat ein ehrliches, nicht auf Leser oder zwingend auf Pointe getrimmtes Comictagebuch.

Eine Auswahl der besten Strips sowie einige neue Episoden sind jüngst als Buch beim Schwarzen Turm erschienen, außerdem hat sie auf der Frankfurter Buchmesse den Sondermann-Preis als bester Newcomer erhalten. (Stefan Pannor)


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