Asja
Wiegand: "Gestern noch"
Tagebücher
erklären nichts. Sie sind ausschließlich für den Tagebuchschreiber gedacht, und
der weiß schließlich, was er meint. Das unterscheidet Tagebücher von
handelsüblicher Belletristik, die auf den (fremden) Leser hin geschrieben wird.
Insofern
sind viele der derzeit vor allem online erscheinenden Comic-Tagebücher
unehrlich. Weil sie eben doch Dinge erklären, weil sie (ganz oder zum Teil) für
den Leser entstehen.
Asja
Wiegands Comictagebuch Gestern noch ist eine erfrischende Ausnahme, weil sie
gar nicht erst versucht, eine Narration aufzubauen. Ihre Comics erklären
nichts, jedenfalls nicht dem zufälligen Leser. Da ist ihr Freund, ihr Studium,
die Wohnung, die Eltern – Momentaufnahmen aus dem Leben, dem Muster nach vertraut,
dem Inhalt nach dennoch fremd.
Inhalte
und Folgerungen ergeben sich erst aus dem kontinuierlichen Verfolgen dieses
Life-in-progress, und oft nicht einmal dann. Immer wieder streut sie bizarre
Einzelseiten ein, seltsam ratlos machend und doch von überzeugender emotionaler
Ausdruckskraft.
Ungehindert
von den Zwängen konventioneller Narration entwickelt Asja Wiegand hier in der
Tat ein ehrliches, nicht auf Leser oder zwingend auf Pointe getrimmtes
Comictagebuch.
Eine
Auswahl der besten Strips sowie einige neue Episoden sind jüngst als Buch beim
Schwarzen Turm erschienen, außerdem hat sie auf der Frankfurter Buchmesse den
Sondermann-Preis als bester Newcomer erhalten. (Stefan Pannor)

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